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Über die Trauer

Was ist Trauer?

In meinen Ausführungen zitiere ich den Psychologen und erfahrenen Therapeuten Jorges Canacakis. Er stammt aus Griechenland und ist mittlerweile über 80 Jahre alt. In der „Akademie für Menschliche Begleitung (AMB)“ führt er auch in Deutschland Trauerseminare durch. Sein Buch „Ich sehe Deine Tränen“ (Kreuz Verlag, 1987) berührt mich immer wieder aufs Neue.

Er beschreibt die Trauer als eine spontane, natürliche, normale und selbstverständliche Antwort unseres Organismus, unserer ganzen Person, auf Verlust.

Innerhalb des Trauerprozesses ist die Traurigkeit nur ein Gefühl von vielen. Mit diesem oft intensiven Gefühl verbinden, vermischen und wechseln sich eine ganze Reihe von unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten wie Weinen, Schweigen, Schmerzschrei, Selbstbelügen, Angst, Wut oder Verzeihen ab. Alle Ausdrucksmöglichkeiten zusammen bilden den Begriff „Trauer“ mit dem Ziel, den schmerzlichen Verlust zu bewältigen.

Voraussetzung für die Bewältigung ist das Wahrnehmen und Annehmen dieser Reaktionen als Trauergefühle, damit dieser Prozess bewusst durchlebt werden kann. Der Trauervorgang ist ein intimes und individuelles Ereignis. Die Trauer als angeborene Fähigkeit hilft uns Menschen, sich vom Verlust zu lösen, um dann einen neuen Entwicklungsschritt zu beginnen.



Welche Faktoren bestimmen die Trauerreaktion?

Das Leben des Verstorbenen und seine Beziehungen


Für die Unterstützung von Trauernden gibt es nach William Worden (*1932), einem amerikanischen Arzt und Trauerforscher, grundlegende Überlegungen, die dem Berater einige Hinweise geben können, wie der Hinterbliebene (ungeachtet individueller Trauerreaktionen) auf den schmerzlichen Verlust reagieren könnte.

Als Erstes ist es wichtig, wer der Verstorbene war und wie er gelebt hat. Ein Großelternteil, der eines natürlichen Todes stirbt, wird anders zu betrauern sein, als der Verlust des Ehepartners oder eines eigenen Kindes. Die Intensität der bestandenen Beziehung ist zu erfahren. 

zarte Blume auf Waldboden

Je intensiver die Liebesbeziehung war, desto stärker wird die Trauerreaktion sein. Entscheidend ist auch, welche Rolle diese Person im Leben gespielt hat. Ob es ein unersetzlicher Partner in Sachen Sexualität, Religion, Arbeit, Freizeitgestaltung, Kunst und geistiger Verwandtschaft war, der dem Trauernden das Gefühl der Sicherheit vermittelt hat (J. Canacakis).

Umstände, die die Gefühlsintensität bestimmen

Auch innerhalb einer Liebesbeziehung können ambivalente Gefühle, etwa Hassgefühle, nicht ausgeschlossen werden. Schuldgefühle belasten eventuell den Hinterbliebenen, wenn solche Gefühle entstehen.

Die Art und Weise des Todes bestimmt die Gefühle der Trauerreaktion wie bspw. Ohnmacht oder Wut. Die äußeren Gegebenheiten sind ebenso entscheidend: War es ein Unfall, trat der Tod überraschend auf, vielleicht passierte es in der vertrauten Umgebung? Litt der Verstorbene an einer unheilbaren Krankheit und befand sich der Hinterbliebene bereits im Trauerprozess?

Wie ist der Hinterbliebene mit vergangenen Verlusten umgegangen? Bestehen vielleicht noch Verarbeitungsreste, die im jetzigen Trauerfall wieder hervorbrechen?

Besondere Belastungen, die das Trauern erschweren

Neigte oder neigt der Trauernde allgemein zu depressiven Phasen, denn das bedeutet oft, dass diesem Menschen das Trauern mehr Schwierigkeiten bereitet (W. Worden). Lässt seine psychische Stabilität und/ oder das Alter zu, Krisen zu überwinden? Ist der Hinterbliebene in solchen Stresssituationen belastbar und kann bei aufsteigenden Ängsten gut für sich sorgen? Personen mit Persönlichkeitsstörungen kann die Handhabung eines Verlustes u.U. schwerfallen.
Ein Hinterbliebener bekommt durch seine Angehörigen wohltuende Hilfe, was die Trauerzeit ggf. verlängert. Die Folge kann eine Überbeanspruchung der Angehörigen bedeuten. Dies wiederum kann Unzufriedenheit auslösen, was den Trauerprozess zusätzlich belastet.

Weiterhin sei erwähnt, um zutreffend vorhersagen zu können, wie jemand trauern wird, dass der Berater etwas über dessen sozialen, ethnischen und religiösen Hintergrund wissen muss.



Wie betrachten Fachleute den Trauerprozess?

Fünf Sterbephasen bilden die Basis

Frau Elisabeth Kübler-Ross, 1926 in Zürich geboren (†2004), ist als amerikanische Psychiaterin die renommierteste Sterbeforscherin des  20. Jahrhunderts. Sie formulierte 1969 fünf Phasen des Sterbens, die eng mit dem Erleben der Trauerbewältigung in Berührung stehen.

  1. Nicht wahrhaben wollen und Isolierung
  2. Zorn
  3. Verhandeln
  4. Depression und Leid
  5. Zustimmung

Daraufhin haben eine Vielzahl von Wissenschaftlern (Bowlby, Parkes, Lindemann u. a.) in den 70er Jahren  den Trauerprozess von Hinterbliebenen beobachtet und im Ablauf verschiedene Stadien [Trauerphasen] festgestellt, die aufeinander aufbauen und sich bedingen.

Die Entwicklung von drei Trauermodellen

Der anerkannte evangelische Theologe und Professor für Sozialethik Yorick Spiegel (†2010) studierte die Trauerarbeit von Angehörigen und erstellte 1972 ein dementsprechendes 4 Phasenmodell. Hintereinander folgen: Schock → Kontrolle → Regression → und am Ende die Adaptionsphase. Ein solches Modell bietet einen Rahmen und gibt wichtige Hilfestellungen im Umgang mit Trauerreaktionen.

Bereits 10 Jahre später reiften Erfahrungen heran, dass sich schematisierte feststehende Phasenmodelle nicht als allgemeingültig heranziehen lassen, da die Trauergefühle immer individuell sind und sich unterschiedlich ausdrücken. Zudem sind die jeweiligen Lebensumstände zu verschieden.

1982 entwickelte die namhafte Schweizer Psychotherapeutin und Professorin für Psychologie Verena Kast (*1943) in Anlehnung an Kübler-Ross ihr eigenes Trauermodell, wobei im Unterschied die Phasen im eigenen Rhythmus, dynamisch fließend ineinander wirken. Der Trauernde befindet sich auf der Suche.


Sie beschreibt den Trauerprozess in folgender Weise:

  1. Nicht - Wahrhaben - Wollen
  2. Aufbrechende Emotionen
  3. Suchen, finden, sich trennen
  4. Neuer Selbst- und Weltbezug
Mohnblume auf Feldweg

Zur gleichen Zeit erarbeitete W. Worden 1982 ein Konzept der Traueraufgaben, die der Hinterbliebene innerhalb der Trauerbewältigung erfüllen muss:

  1. Den Verlust der Realität akzeptieren
  2. Den Trauerschmerz erfahren
  3. Sich an die Umwelt ohne den Verstorbenen anpassen
  4. Freiwerdende emotionale Energie neu einsetzen

Als Trauerbegleiter teile ich seine Auffassung, wenn er schreibt: Phasen implizieren eine gewisse Passivität. Das Geschehen widerfährt dem Trauernden, er muss es durchstehen. Aufgaben dagegen … besagen, dass der Trauernde aktiv werden muss und etwas tun kann. Die meisten Menschen können mit diesen Reaktionen fertigwerden, die vier Traueraufgaben selbst durcharbeiten und dadurch ihren Kummer zum Abschluss bringen.

Andere Menschen dagegen werden durch ihre persönlichen Reaktionen verunsichert. Als Beispiel können Zorngefühle gegenüber dem Verstorbenen nicht als normale Trauerreaktion gedeutet werden. Erhebliche Schuldgefühle beeinträchtigen womöglich den Trauerprozess und das Abschiednehmen wird verhindert.

Hier kann eine professionelle Trauerbegleitung hilfreich sein.



Wie verlaufen der Trauerprozess und damit das Abschiednehmen?

Trauerreaktionen sind normale Verhaltensweisen. Sie bleiben individuell, vermischen einander und können auch ganz anders sein.

Am Anfang steht der Schock

Die Nachricht des Todes ist der Augenblick des Schocks. Bei einem plötzlichen, unerwarteten Tod eines nahestehenden Menschen ist der Schock besonders intensiv. Gefühlsausbrüche wie Verzweiflung, Klagen, Weinen, körperlicher Zusammenbruch oder die totale Fassungslosigkeit bis zur Erstarrung, können die Folge sein.

Es bleibt keine Zeit für Traurigkeit

In dieser angespannten Situation erwartet unsere Gesellschaft festgelegte Trauerrituale wie bspw. den ordnungsgemäßen Ablauf der Beerdigung. Alle Kräfte des Trauernden müssen darauf konzentriert werden, obwohl er eigentlich tiefe Betroffenheit spürt. Dieses ambivalente Erleben lässt ein Gefühl von Unwirklichkeit und einer großen Distanz zu.

Die schmerzlichen Gefühle müssen unter Kontrolle gehalten werden, damit die vielfältigen Aufgaben durchgeführt werden können. Der Zustand erzeugt erhöhten Stress.

Ein erster Rückzug ist normal

Es wird sehr viel Energie benötigt, den schwerwiegenden Verlust zu verarbeiten, was mitunter eine Zeit der Zurückgezogenheit hervorruft. Obwohl starke Einsamkeitsgefühle den Trauernden belasten, kann er sich auf Kontakte kaum einlassen. Die Alltagsbewältigung, ohne die vertraute Unterstützung des Verstorbenen, fällt schwer. Ein allgemeines Unwohlsein, körperlich als auch im sozialen Kontakt mit Menschen, ist zu spüren. Entscheidungen werden in dieser Zeit oft erschwert getroffen.

Überkommende Gefühle, die Sie zerreißen

Die Angst, nun für immer allein zu sein, bestimmt den Trauernden. Gefühle, wie sie in der Kindheit empfunden wurden, werden wiedererlebt und lassen regressive  Verhaltensweisen zu. Wie damals, aus Angst die Mutterliebe zu entbehren, entwickelt der Hinterbliebene nun Verhaltensweisen wie Weinen, Jammern oder Unruhe.

Starke Sehnsuchtsgefühle nach dem Verstorbenen veranlassen ein häufiges Suchen. Geräusche, Stimmen oder ähnliches Aussehen von Personen machen den Toten augenscheinlich wieder lebendig.

Das Gleichgewicht gerät ins Wanken. Stimmungen wechseln, Ruhe wird plötzlich zur Unruhe. Gefühlsschwankungen werden erlebt. Das Bedürfnis nach Nähe ist groß und gleichzeitig tritt Gereiztheit auf. Weinen geht über in Zorn und Anklagen und plötzlich wird Zuversicht oder Freude erlebt über schöne Erinnerungen mit dem Verstorbenen.

Jeden Tag werden Erinnerungen an den Verstorbenen wach, die eine unerträgliche schmerzliche Lebenswirklichkeit spüren lassen. Ein Gefühl baut sich auf, als sei vom eigenen Körper die Hälfte abgeschnitten. Eine absolute Leere ist entstanden.

Der Trauernde will eins sein mit dem Verstorbenen, ggf. durch den eigenen Tod. Gefühle und Verstand bewegen sich um den Verlust. Oft wird der Tote idealisiert. Erst allmählich realisiert sich ein „normales“ Bild vom Verstorbenen. Schuldgefühle können das Gewissen plagen, nicht Ausreichendes für den Sterbenden getan zu haben. Oder es entstehen Gefühle von Erleichterung, wenn etwa eine lange Krankheit den Sterbeprozess verzögert hat. Erinnerungsbilder des vergangenen gemeinsamen Lebens offenbaren plötzlich, wie manches besser gewesen wäre, oder was versäumt wurde.

Genauso kann es Trauerreaktionen geben, die gegensätzlich scheinen. Die Trauernden begeben sich bewusst in Arbeit und andere Aktivitäten, um den Verlust zu bewältigen.

Wenn die Trauer sich allmählich wandelt 

Mit der Zeit wächst eine bewahrende innere Beziehung zum Verstorbenen und der Trauernde öffnet sich für ein zukünftiges neues Leben. Neue Beziehungen zu Menschen und der Umwelt entstehen. Traurige Gefühle, die hin und wieder aufsteigen, sind dann kein Hindernis mehr für diesen Neubeginn. Materielle Gegenstände des Verstorbenen werden nun für eigene Lebensinhalte verwendet. Die Pflege des Grabes kann eine neue Form der Liebe zu dem Verstorbenen bedeuten und Dankbarkeit für alles Gemeinsame wird lebendig.

lila Blume im Fels

Das Idealbild verwandelt sich zum Real-Bild und Verhaltensweisen des Toten, die dem Hinterbliebenen Wunden zugefügt haben, werden nicht mehr zur Seite geschoben. Es tritt Versöhnung ein.

Neues Licht am Horizont!

In der Phantasie des Hinterbliebenen wird der Tote nun in sein eigenes Leben aufgenommen.

Die praktizierende Psychotherapeutin Frau Verena Kast schreibt dazu: Ist einmal die Such- und Trennphase in ein Stadium gekommen, in dem sie nicht mehr das gesamte Sinnen und die gesamte Phantasie des Trauernden beansprucht, dann kann die Phase des neuen Selbst-Weltbezugs einsetzen. Voraussetzung ist dafür, dass der Verstorbene nun eine „innere Figur“ geworden ist; sei dies, das der Trauernde den Verstorbenen als eine Art inneren Begleiter erlebt, der sich auch wandeln darf; sei es, dass der Trauernde spürt, dass vieles, was zuvor in der Beziehung gelebt hatte, nun seine eigenen Möglichkeiten geworden sind.

Die Erfahrung, dass sich die Trauer allmählich wandelt und sie mit allen Höhen und Tiefen durchlebt wurde, schenkt dem Trauernden innere Stärke, die neue Lebensenergien entfaltet.

Es können immer wieder Trauergefühle aufkommen, die die neue Lebensentwicklung beeinflussen.

Die psychische Belastbarkeit und die Lebensrealität des Hinterbliebenen sowie die Einfühlsamkeit der Umwelt beeinflussen den Trauerprozess und somit den Zeitraum.

Das Zitat von G.-L. Ruhm und S. Oberndörfer beschreibt die Trauer zutreffend in einem Bild: Trauer ist wie ein Felsbrocken. Wegrollen kann man ihn nicht. Zuerst versucht man, nicht darunter zu ersticken.

Dann hackt man ihn Stück für Stück kleiner, und den letzten Brocken steckt man in die Hosentasche und trägt ihn ein Leben lang mit sich herum.

runder Stein


Was wird unter dem Begriff „pathologische“ Trauer verstanden?

Trauer ist keine Krankheit

Sie ist eine normale individuelle Reaktion auf einen erlittenen Verlust, der unser Leben aus dem Gleichgewicht bringt. Wird das Trauern wenig oder gar nicht zugelassen, wächst das Risiko, dass unsere Seele und unser Körper anhaltend beeinträchtigt oder gestört werden.

Verdrängung, Ausharren im Leid und starres Festhalten über einen langen Zeitraum lassen den Trauerprozess unter Umständen stagnieren. Dann wird von einer „komplizierten Trauer“ gesprochen. Die Ursachen dafür können in der Person selbst und/ oder im sozialen Umfeld begründet sein, weil die Mitmenschen, etwa aus eigener hilfloser Betroffenheit, Trauergefühle nicht zulassen.

Es wird zwischen einer chronischen und einer verzögerten Trauer unterschieden. Bei der chronischen Trauer will der Hinterbliebene den Tod nicht wahrhaben und kann ihn nicht akzeptieren. Damit ist die positive Entwicklung zu einem neuen Lebensabschnitt gehemmt.

Gefühle, die Ihnen vielleicht hochkommen

Gefühle wie Wut und Schuldgefühle halten an und die Gefahr von sozialer Isolation ist gegeben. Schwere Depressionen, Angststörungen und körperliche Beschwerden können auftreten.

Wenn der Schmerz zur Selbstgefährdung führt

Ein erhöhter Alkohol-, Nikotin- oder Medikamentenmissbrauch gleitet eventuell in eine Abhängigkeit ab. Die Suizidgefahr ist oft nicht ausgeschlossen.

Von einer Verzögerung der Trauer wird gesprochen, wenn der Hinterbliebene bspw. „nur“ eingeschränkt trauert, oder erst Jahre später die Trauer aufbricht. Aufkommende Gefühlsreaktionen können beeinträchtigend irritieren, wenn sie nicht mit dem ursprünglichen Verlustereignis in Zusammenhang gebracht werden. Psychische und körperliche Störungen können daraus folgen, wie etwa bei einer Witwe eine Phobie, eine Krebserkrankung zu haben.



Wieviel Tränen braucht das Land?

Das Sterben, der Tod und die dazugehörige Trauer gehen uns alle an. Warum fällt es uns Menschen dennoch so schwer, dieser Tatsache mit aller Klarheit und Konsequenz ins Auge zu blicken? Als Autor möchte ich eine kurze einfache Antwort geben.

Bereits in der antiken Philosophie um 341 v. Chr. schrieb Epikur nüchtern: Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.

Doch so zeigt sich unsere Lebenswirklichkeit nicht.

Ohne Trauer funktioniert das Leben nicht

Die Trauer ist ein natürlicher emotionaler Zustand. Ihre wichtige Funktion und Aufgabe besteht darin, die Angst vor der Endgültigkeit, dem Ungewissen aufzufangen und zu stillen. Krankheiten, Verlustereignisse und drohendes Unheil in der Welt nähren diese tiefliegende Angst täglich neu und ohne den reflexartigen Vorgang von Trauergefühlen sind wir Menschen vermutlich nicht lebensfähig. So ist der bewusste Umgang mit Trauer der Retter unserer Ohnmacht.

Warum Tränen wichtig sind

Wenn Du das Fließen nach innen richtest, wird Dein Herz belastet werden. Tränen gehören nach außen und nicht ins Herz. Diese Erfahrung vermittelt uns Jorgos Canacakis in seinem bereits erwähnten Buch „Ich sehe Deine Tränen“. Seine deutliche Botschaft erklärt mit einfachen Worten den Sinn von Trauer in unserem Leben.

Er fordert uns Mut machend auf, aktiv nach außen gerichtet unsere Trauer zu zeigen. Wir lernen, die Trauer und auch das Sterben als natürliches Grundbedürfnis anzuerkennen. Mehr und mehr finden wir Versöhnung und unsere Todesfurcht wird kleiner.

Die Trauer als Motor für Veränderungen

Als positive Auswirkungen werden wir auf schützende Abwehrmechanismen nicht weiter angewiesen sein:

Gesellschaftliche Tabus und Zwänge verlieren ihren Zweck. Trauerrituale kennen keine Grenzen mehr und ein Kostendiktat aus der öffentlichen Hand wird es nicht mehr geben. Es wächst eine Solidargemeinschaft, in der Freude und Leid unmissverständlich zusammengehören und die Menschenwürde echte Beachtung findet.

Trauer-Cafés und Beratungsstellen entstehen als Selbstverständlichkeit in jedem Stadtteil und Betroffene sind stets mit Freude willkommen. Engagierte Vereine und Selbsthilfegruppen erhalten ohne aufwendige Bürokratie finanzielle Unterstützung. Der Hospizbedarf wird ausreichend gedeckt und das Zuhause Sterben wird wieder, wie in früheren Zeiten, als normal angesehen und gelebt. Das Gesetzbuch steht ausschließlich im Dienst der Sterbenden und ihren Angehörigen und kein Arzt oder Therapeut wird die Justiz fürchten müssen.


Zu guter Letzt werden Projekte wie etwa die Weiterentwicklung der Palliativmedizin ohne Hindernisse ermöglicht.

Dies sind schöne zuversichtliche Aussichten. Fangen wir also gleich heute an!

geschliffene Steine


Was haben Glückshormone mit der Trauerarbeit zu tun?

Ist „Lust auf Leben“, so möchte ich die Lebensfreude beschreiben, ein Lebenselixier oder ein geheimnisvolles Heilmittel für die Trauerbewältigung?

Nach meinen Erfahrungen ist „Lust auf Leben“ viel mehr als nur ein Zaubertrank, der unsere schmerzlichen Verluste, die wir betrauern, vorübergehend heilt. Lust, allgemein als angenehmes Gefühl zu verstehen, ist eine ewige Energiequelle, die in uns Menschen von Natur aus angelegt ist. Wir brauchen die Quelle nur anzapfen und nutzen.

Wie hätte ich sonst immer wieder neu mit Gewissheit darauf vertrauen können, dass mir nach jedem Knochenbruch neue Lebenskraft und innere Stärke geschenkt wird? Lesen Sie bitte dazu auf meiner Seite „Bergmann life“. Die persönliche Lebenserfahrung ist keine subjektive Einbildung. Sie lässt sich naturgegeben erklären.

Wenn der Stress unserem Körper die Glückshormone raubt

Die Trauerbewältigung fordert unseren Körper und unsere Seele mit allergrößten Anstrengungen. Über einen langen Zeitraum stehen wir unter enormem Stress, der unseren Hormonhaushalt, die Botenstoffe (Neurotransmitter) durcheinanderbringt. Es sind dann die sogenannten lebenswichtigen Glückshormone, die hinreichend fehlen. Wenn diese Botenstoffe uns nicht ausreichend und ausgewogen zur Verfügung stehen, gerät unser Leben aus dem Gleichgewicht. Dies kann u.a. zu Depressionen führen.

Drei bekannte Glückshormone, die für unser Wohlbefinden und Lebensfreude sorgen, möchte ich nennen:

  • Das Dopamin ist zuständig für den Bereich der Antriebssteigerung und der Motivation.
  • Das Serotonin stärkt das zentrale Nervensystem und unseren Darm und beeinflusst den gesamten Herzkreislauf.
  • Die Endorphine wirken als Opiate schmerzstillend und regeln das Hungergefühl.

Das Trainieren der Sinne

Wie können wir nun die Glückshormone auftanken, damit wir gerüstet unsere Verlustereignisse betrauern können?

Durch eine bewusste und intensive Wahrnehmung unserer Sinne ist es möglich, unser Lusterleben nachhaltig positiv zu beeinflussen.

Wir kennen die fünf geläufigen Sinne: Das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Dazu zählen aus der modernen Physiologie vier weitere Sinne: Es sind der Temperatursinn, die Schmerzempfindung, der Gleichgewichtssinn und unsere Körperempfindung, auch als Tiefensensibilität bekannt. Ebenso lässt sich unsere Gedankenwelt dazu einordnen. Mit liebevoller Achtsamkeit uns selbst gegenüber werden die Sinne angeregt und belastende Gedanken lassen sich in gute Bahnen lenken.

Ein Sprichwort sagt: „Lohnt es sich denn?“ fragt der Kopf. „Nein, aber es tut so gut!“ antwortet das Herz.

In meiner 16jährigen Arbeit in der Apotheke habe ich vergeblich nach dem Patentrezept „Trauer … und Lust auf Leben“ gesucht. Ärzte gaben mir immer wieder den entscheidenden Hinweis: Sie müssen es für sich selbst herausfinden. Da ist viel Wahres dran. Die Möglichkeiten, Spaß am Leben, Freude und Zufriedenheit zu finden und zu empfinden, sind vielfältig und bleiben wie die Trauergefühle für jeden Menschen individuell.





Probieren Sie es aus!

Und wenn Sie mögen, können wir uns gemeinsam auf den Weg machen.

Mohnblumen auf bunter Wiese


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